MythicOwl und Pocketpair Publishing liefern mit Truckful eine ungewöhnliche Genremischung ab. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine entspannte Kuriersimulation auf dem Land, bei der man merkwürdige Pakete auf die Ladefläche eines betagten Pickups packt. Sobald man sich jedoch hinter die Baumgrenze wagt, verwandelt sich das Geschehen schlagartig in fahrzeugbasierten Survival-Horror und leichte Metroidvania-Erkundung.
Mit deutlichen Inspirationen durch die heikle Frachtlogistik von Death Stranding und die unheimliche maritime Isolation von Dredge bietet Truckful eine denkwürdige sechs- bis achtstündige Reise. Auch wenn plötzliche Kameraschwenks, ein schwammiges Fahrverhalten und das Fehlen einer echten Funktion zum Befreien festgefahrener Fahrzeuge das Tempo bisweilen bremsen, halten die exzentrischen Texte und die motivierende Upgrade-Kurve den Motor am Laufen.
Truckful: Übersicht und Spezifikationen
Bevor es ins Tal geht, folgt hier ein Überblick über die Release-Details, Systemanforderungen und Kernfakten, wie sie auf der offiziellen Steam-Seite des Spiels bestätigt wurden.
| Kategorie | Offizielle Details |
|---|---|
| Entwickler | MythicOwl |
| Publisher | MythicOwl, Pocketpair Publishing |
| Veröffentlichungsdatum | 9. Oktober 2026 |
| Basispreis | 19,99 $ (Launch-Rabatt 17,99 $) |
| Plattformen | PC (Windows, Mac, Linux), geplant für PS4/PS5, Google Play |
| Spieldauer (Hauptstory) | 6 bis 8 Stunden (ca. 12 bis 16 Stunden für Komplettionisten) |
| Steam-Errungenschaften | Insgesamt 42 Errungenschaften |
| Mindestanforderungen | 4 GB RAM, 2 GB VRAM (GeForce 900-Serie+), DirectX 10, 2 GB Speicherplatz |
| Empfohlene Anforderungen | 8 GB RAM, 3 GB VRAM (GeForce GTX 1060+), DirectX 12, 3 GB Speicherplatz |
Die Story: Kleinstadt-Bürokratie und ein verfluchter Wald
Man schlüpft in die Rolle eines gesichtslosen, stummen Kuriers, der irgendwie die Grenze zu einem isolierten Tal überquert. Der umliegende uralte Wald beherbergt eine aggressive übernatürliche Präsenz, die fremde Fahrzeuge verschlingt, wodurch die örtlichen Dorfbewohner vom Rest der Welt abgeschnitten sind. Da in der Siedlung keine fahrbereiten Autos mehr übrig sind, wird der eigene bescheidene Pickup zur einzigen Lebensader des Tals.
Schon früh rettet man Rutti, einen einheimischen Lieferfahrer, dessen Lieferwagen den dunklen Wäldern zum Opfer fiel. Rutti fungiert quasi als Copilot und Sprachrohr, indem er bei Interaktionen mit den exzentrischen Bewohnern für einen spricht. Die Dialoge setzen auf cleveren, trockenen Humor voller subtiler Anspielungen für Erwachsene, bleiben dabei aber stets familientauglich.
Die Handlung entfaltet sich, indem man lokale politische Spannungen und seltsame Überlieferungen aufdeckt. Man trifft auf Charaktere wie Mick, den strengen Dorfvorsteher, der eine Teebar betreibt und Verordnungen gegen lästiges Unkraut durchsetzt; Baron Shusk, einen Aristokraten, der verzweifelt giftige Unkrautvernichtungsmittel transportiert, um sein Anwesen zu schützen; und Teresa, eine enthusiastische Werkstattmechanikerin, die den Zeiten nachtrauert, als Motoren noch frei über die Straßen rollten. Während die Haupthandlung nach rund acht Stunden abgeschlossen ist, erfordert das Aufdecken des wahren Ursprungs des Waldfluchs das Aufspüren versteckter Sammelobjekte und Notizen, die über vergessene Straßen verstreut sind.
Beladen und Fahren: Rasterrätsel treffen auf unerbittliche Physik
Lieferfahrten in Truckful sind in zwei verschiedene Gameplay-Schleifen unterteilt: das Vorbereiten der Ladung und das Bezwingen der Route.
Die Vorbereitungsphase funktioniert wie ein räumliches Inventarrätsel. Die Fracht besteht aus asymmetrischen Formen und heiklen Gewichten – von zerbrechlichen Vasen und Blumenarrangements bis hin zu aufblasbaren Palmen und Giftfässern. Sogar lebende Passagiere – einschließlich Rutti und örtliche Straßenarbeiter – müssen direkt auf der offenen Ladefläche untergebracht werden. Über die Benutzeroberfläche lassen sich Gegenstände drehen und stapeln, um zu prüfen, wie sicher sie liegen, bevor man Gas gibt.
Auf der Straße bestimmt die Physik über den Erfolg:
- Schwungempfindlichkeit: Zu starkes Beschleunigen oder abruptes Bremsen lässt lose Gegenstände über die Heckklappe purzeln.
- Umweltgefahren: Das Überfahren von Bremsschwellen, Felsbrocken oder Schafherden kann die Ladung durch die Luft schleudern oder zerbrechliche Lieferungen zerstören.
- Frachtbergung: Fallen Waren an den Straßenrand, muss man anhalten, heranfahren und sie wieder aufladen. Werden Zustandsgrenzen unterschritten oder zerbrechliche Gegenstände verloren, muss der Kontrollpunkt neu geladen werden.
- Hilfswerkzeuge: Vorrichtungen wie haftende Fracht („Sticky Cargo“) bieten einen vorübergehenden Klebeeffekt, der Gegenstände auf der Ladefläche fixiert, sodass man ohne Verluste durch unwegsames Gelände brettern kann.
Für Spieler, die ein rein narratives Erlebnis ohne Frachtverlust-Strafen suchen, bietet Truckful einen optionalen Story-Modus, der die Scheiterbedingungen deutlich entschärft.
Metroidvania-Progression: Upgrades und Ausrüstungs-Slots
Der Fortschritt auf der zusammenhängenden Karte des Tals folgt einem klaren Metroidvania-Design. Während anfangs breite, asphaltierte Straßen die Hauptknotenpunkte verbinden, sind direkte Routen zu entlegenen Orten durch Hindernisse in der Spielwelt blockiert.
Das Abschließen von Lieferungen belohnt mit Standardwährung, die in Werkstätten für grundlegende Fahrzeugverbesserungen ausgegeben werden kann:
- Motortuning: Erhöht PS und Drehmoment, damit der Truck an steilen Anstiegen unter schwerer Last nicht steckenbleibt.
- Federung und Reifen: Der Wechsel von Standardreifen zu Gelände- oder Schlammreifen verhindert durchdrehende Räder im tiefen Morast.
- Bremssysteme: Hochwertigere Bremsen verkürzen den Bremsweg erheblich und verhindern ein Hinausschießen in engen Klippenkurven.
- Ladeflächen: Standard-Ladeflächen können durch geschlossene Gitterkäfige, hochwandige Behälter oder verlängerte Fahrgestelle ersetzt werden, um unhandliche Ladungen unterzubringen.
Zusätzlich zu den Basiswerten verfügt der Truck über begrenzte Ausrüstungs-Slots, die zu wohlüberlegten Routenentscheidungen zwingen. Eine Seilwinde erlaubt es, sich aus schlammigen Gruben zu ziehen, während ein Schnorchel das Absaufen des Motors bei Fahrten durch überflutete Feuchtgebiete verhindert. Eine verstärkte Rammstoßstange ermöglicht das Durchbrechen von Holzzäunen und Toren, um dauerhafte Abkürzungen freizuschalten. Da die Werkzeugplätze begrenzt sind, erfordern Fahrten auf unerforschten Routen vorausschauende Planung in den örtlichen Werkstätten.
Der Fortschritt umfasst auch eine zweite Währung: Altmetall. Das Plündern weggeworfener Autoteile aus verrosteten Wracks schaltet Spezialkomponenten frei, auch wenn das Absuchen jedes Winkels nach Metall im späteren Spielverlauf etwas repetitiv wirken kann.
Atmosphärischer Terror: Die Waldverfolgungsjagden überleben
Truckful balanciert seinen gemütlichen ländlichen Alltag mit abrupten Spannungsmomenten aus, wann immer Aufträge in die alten Wälder führen. Die Farbpalette wechselt von sonnenbeschienenen Wiesen und steinernen Kreisverkehren zu bedrückendem, schattenhaftem Dickicht, das in dichten Nebel gehüllt ist.
In diesen Gebieten wird man mit übernatürlichen Bedrohungen konfrontiert, allen voran einem monströsen, dämonischen Geister-Truck, der einen über gewundene Waldwege verfolgt. Diese Verfolgungsjagden erfordern präzises Kurvenfahren bei hohen Geschwindigkeiten – was in direktem Widerspruch zur empfindlichen Natur der physikbasierten Fracht steht. Um zu überleben, muss man enge Lücken ausnutzen, Boost-Mechaniken zünden oder Geländekürzungen nutzen, um Verfolger abzuschütteln, bevor sie die Ladung ins Geäst rammen.
Schwachstellen: Kamerawinkel und Komfortmängel
Obwohl die Kernmechaniken überzeugen, sorgen einige technische und spielerische Eigenheiten für Frust:
- Desorientierende feste Kamera: Das Spiel nutzt einen wechselnden isometrischen Kamerawinkel, der sich entlang vordefinierter Kurven dreht. In scharfen Serpentinen kann dieser Perspektivenwechsel die Lenkrichtung umkehren und einfache Lenkbewegungen in versehentliche Kollisionen verwandeln.
- Keine manuelle „Befreien“-Funktion: Das Terrain bietet steile Anstiege, Trümmer und niedrige Steinmauern. Sitzt der Pickup auf einem Felsen auf oder verkeilt sich in einem beschädigten Tor, gibt es keine schnelle Reset-Möglichkeit. Oft bleibt nur das Neuladen des letzten Kontrollpunkts, was Lieferfortschritte und Sammeltouren zurücksetzt.
- Ungleichmäßiges Upgrade-Pacing: Der Fortschritt bei Komponenten kann sich unausgewogen anfühlen. Man kann sehr früh mit Altmetall hochklassige Fahrgestelle oder Federungsteile freischalten, nur um später in Standardläden auf geringfügige, minimale Verbesserungen zu stoßen.
- Menü-Navigation: Um die Weltkarte einzusehen, muss man das Pausenmenü öffnen – es sei denn, man opfert einen Ausrüstungs-Slot für eine GPS-Antenne mit Abbiegehinweisen, was den Spielfluss unterbricht.
Performance und Steam-Deck-Verifizierung
Auf dem PC hält Truckful auf unterschiedlichsten Hardwarekonfigurationen stabile Bildraten. Mit moderaten Systemanforderungen, die lediglich eine GeForce 900-Serie als Basis und 4 GB RAM verlangen, stoßen moderne Gaming-PCs auf keinerlei Optimierungshürden.
Auf Handheld-Geräten glänzt der Titel besonders. Tests auf dem Steam Deck zeigen ein flüssiges, stabiles Spielerlebnis mit sauberen Reflexionen und präziser Analoglenkung. Volle Controller-Unterstützung ist standardmäßig integriert, inklusive passender Tastensymbole sowohl für Standard-Gamepads als auch für den PlayStation-DualSense-Controller. Tastatursteuerung wird zwar unterstützt, doch das Fahren mit dem Gamepad-Stick bietet eine spürbar feinfühligere Dosierung von Gas und Lenkung.
Fazit
Truckful überzeugt als originelles, charmantes Indie-Abenteuer, das sich nicht in eine einzelne Genreschublade stecken lässt. Seine liebenswerten Charaktere, die witzigen Dialoge und die greifbaren Frachtstapel-Rätsel sorgen für einen befriedigenden Gameplay-Loop, der durch echte atmosphärische Beklemmung in den Tiefen des Waldes aufgewertet wird.
Getrübt wird das Erlebnis etwas durch desorientierende Kamerawinkel, plötzliche Verfolgungsjagd-Physik und gelegentliche Pacing-Probleme beim Ausbau des Fahrzeugs. Wer jedoch das bedachte Frachtmanagement eines Death Stranding in Kombination mit dem schrulligen Geheimnis eines Kleinstadt-Thrillers schätzt, wird unter der Motorhaube von Truckful jede Menge Spielspaß finden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange dauert es, Truckful durchzuspielen?
Das Durchspielen der Hauptgeschichte dauert zwischen 6 und 8 Stunden. Wer einen 100%-Durchlauf anstrebt – alle 42 Steam-Errungenschaften freischalten, jedes Lore-Sammelobjekt finden und sämtliche Ladeflächen voll ausbauen –, benötigt etwa 12 bis 16 Stunden.
Wie gruselig ist Truckful?
Truckful ist kein Horror-Spiel voller Gore oder Jump-Scares. Es kombiniert gemütliche Erkundung mit atmosphärischer Anspannung und hebt sich die Schockmomente für rasante Verfolgungsjagden durch finstere Wälder gegen monströse fahrzeugbasierte Bedrohungen auf.
Läuft Truckful gut auf dem Steam Deck?
Ja. Das Spiel ist vollständig mit dem Steam Deck kompatibel und läuft flüssig ohne Performance-Probleme. Die Gamepad-Steuerung und Menüs lassen sich nahtlos auf dem Handheld bedienen.
Sollte man mit Controller oder Tastatur spielen?
Ein Controller wird dringend empfohlen. Analogsticks ermöglichen eine feinfühlige Gasdosierung und präzises Lenken – beides ist entscheidend, um enge Serpentinen zu meistern und zu verhindern, dass Fracht von der Ladefläche geschleudert wird.











